Musikrausch – Berlin Music Week

Ein Blick in das Programm bestätigt jede Befürchtung: Overkill! Wie soll man sich bei diesem Überangebot entscheiden? Am besten erst einmal den Browser wieder schließen, Kaffee kochen und durchatmen. Und nun ein neuer Anlauf, denn es lohnt – Die Berlin Music Week fand vom 5. September bis 9. September 2012 statt und hatte für jeden Musikliebhaber die passende Veranstaltung im Gepäck.

[Quelle: www.berlin-music-week.]

Die Berlin Music Week hat sich zu DEM Branchentreff Deutschlands entwickelt und ist für Labels, Promotoren und nicht zuletzt Bands das ideale Pflaster, um zu zeigen was man zu bieten hat. Neben etablierten Größen wie The Killers oder Franz Ferdinand traten vor allem weitestgehend unbekannte Künstler auf. Dabei ist das adjektiv unbekannt vollkommen wertfrei zu betrachten, denn die Berlin Music Week ist ähnlich dem großen  South by Southwest® (SXSW®)Festival in Austin Texas genau für diese Künstler gedacht. Hier können Newcomer zeigen was sie drauf haben und relativ sicher sein, dass der eine oder andere A&R im Publikum auf „the next thing“ für sein Label zu lauert.

Music to the people

Ursprünglich galt die Kölner Popkomm als die Messe der Musik- und Entertainmentbranche. Doch das angestaubte Image als etablierte, lösungsfreie Zone für die „digitale Revolution“ des Musikmarktes hat dazu geführt, dass sich niemand mehr wirklich dafür interessiert hatte. Ein letzter Rettungsversuch war die Integration der Popkomm in die Berlin Music Week im letzten Jahr. Dies konnte sie allerdings auch nicht mehr retten und so strich man sie dieses mal gleich ganz. Kein Grund zur Trauer, im Gegenteil! Endlich kommt die Musik wieder näher zu denen, für die sie gemacht wird – den Fans. Rund um die Oberbaumbrücke / Kreuzberg, dort wo sich Medienunternehmen tummeln und Berlin gerne seine exzessiven Partynächte antritt, finden an jedem Tag der fünftägigen Berlin Music Week dutzende Konzerte statt, die wirklich jeden Musikfan mit dem passenden Dope versorgt.

[Quelle: http://www.berlin-music-week.de]

Programmheft mal anders nutzen

Da bei der Music Week, wie erwähnt größtenteils neue Künstler auftreten, konnte die Empfehlung nur lauten: Legt das  Programmheft zur Seite und nutzt es allenfalls als Notizheft. So lassen sich die Highlights perfekt anmarkern und die teilweise abgefahrenen Bandnamen werden nicht so schnell vergessen. Also schnappte man sich eins der „Clubtickets für 30,-€ und ließ sich treiben. So stehen jedem Besitzer eines Tickets knapp 40 Clubs offen. Die BVG-Fahrt ist im Preis inbegriffen.

Auftakt. Die Geburtstagsfeier

Eröffnet wurde die Berlin Music Week durch die Radioeins Geburtstags-Veranstalung im Tempodrom. Auf der Bühne fanden sich u.A. der souverän spielende Jonathan Jeremiah, sowie die soundgewaltige Londoner Synthie-Progressive-Rockband Archives ein. Leider war das Publikum dermaßen schlecht drauf und lahm, dass man sowohl Jonathan Jeremiah als auch den Archives für das Durchhaltendanken musste. Leider konnte man bei genauerem hinsehen erkennen, wie wenig Spaß sie an diesem Auftritt hatten. Es war aber nicht aller Tage Abend, es war der erste! Die lahme Laune blieb eine Ausnahme für den Verlauf der Berlin Music Week. Mich hat die positive Stimmung bei den Live Konzerten doch fast überrascht, denn in Musikerkreisen gilt Berlin nicht als besonders beliebter Ort für Konzerte. Zu übersättigt ist das Publikum, zu abgegessen. Doch Berlin bleibt eben ein Must-Be-Played-At. In diesem Fall haben wir Berliner uns mal von der guten Seite zeigen können.

[Mit Band und Filmorchester Babelsberg bei der Radioeins Eröffnungsparty – Jonathan Jeremiah]

Clubnächte. Das Spezialgebiet

Berlin kann Club. Keine Stadt auf der Welt hat derzeit eine solch abwechslungsreiche und innovative Clublandschaft zu bieten. Daher konnten sich live-müde Musikfans sicher sein ein aufregendes Alternativ- bzw. Aftershow- Programm vorzufinden. Also geht es durch die „Berlin Clubnacht“ auf Entdeckungstour, bis man eben nicht mehr stehen kann.

Awards. Ein Standard

Natürlich darf es keine Branchenveranstaltung geben, bei der nicht auch irgendetwas verliehen wird. Die Hamburger Band Tonbandgerät machte das Rennen im Newcomer-Wettbewerb New Music Award 2012und erhielt ein Musikquipment-Taschengeld in Höhe von 10.000,- €. Es sei Ihnen gegönnt, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich dieses Geld hervorragend und erschreckend schnell in Instrumente und Co. investieren lässt. Zack, ist es weg. Ich bin gespannt wie sich die Jungs und Mädels entwickeln werden.

Berlin Festival. Großes Kino

Als eines der großen Highlights der Music Week wurde das Berlin Festival angekündigt. Je nach Blickwinkel konnte es diesem Anspruch auch gerecht werden. An zwei ausverkauften Tagen haben 20.000 Zuschauer Bands wie The Killers, Kate Nash, Tocotronic oder Bonaparte gefeiert. Nach nur wenigen Jahren hat sich das Berlin Festival als ernstzunehmende Veranstaltung etabliert. Am Tempelhofer Flugfeld war erfahrungsgemäß genügend Platz für Musik und lustige Autoscooter-Anlagen gleichermaßen. Ich selbst bin kein großer Freund von Massenveranstaltung und so trieb es mich doch eher wieder in die Live-Clubs zurück.

[Sigur Rós – credit_Stephan Flad]
Was bleibt?

Auch dieses Jahr haben die Profis der Kreativbranche auf der Berlin Music Week in Konferenzen und Workshops über die Perspektiven der Musikbranche diskutiert und genetzwerkt. Ca. 60.000 Besucher der Clubs, Bars und Konzertsähle haben die Musik und deren Macher gefeiert. Insgesamt wurde erstaunlich wenig Kritik an der Organistation des Festivals laut und so kann man sicherlich besten Gewissens behaupten, dass die diesjährige Berlin Music Week ein voller Erfolg gewesen ist und Lust auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr gemacht hat.

 

 

 

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